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Der '''Kölner Karneval''' ist ein rheinisches Volksfest, das weltweit zu den größten und bekanntesten Karnevalsfesten zählt. Er wird mundartlich auch ?Fastelovend? oder ?Fasteleer? genannt.

Zeitrahmen und Organisation

Die sowie Tanz- und Musikgruppen. Anfang Januar findet auch die Prinzenproklamation statt.

Am Donnerstag vor abgehalten. Am Aschermittwoch finden nur noch interne Abschlusstreffen, meist ein gemeinsames Fischessen, statt.

Koordinierende Kraft hinter dem offiziellen Kölner Karnevalsprogramm ist das Festkomitee Kölner Karneval als organisatorischer Zusammenschluss der Kölner Karnevalsgesellschaften. Diese traditionsreichen Vereine stellen das Kölner Dreigestirn und viele der Teilnehmer bei den offiziellen Karnevalszügen. Neben dem offiziellen hat sich auch ein alternativer Karneval etabliert. Seit 1984 gibt es die Stunksitzung, die als studentische Alternative zum offiziellen Karneval entstand und heute eine Mischung aus kölschem Karneval und politischem Kabarett mit Comedyelementen darstellt. Ebenfalls außerhalb der offiziellen Regularien hat sich der nächtliche Geisterzug am Karnevalssamstag gebildet. Dieser alternative Umzug war ins Leben gerufen worden, nachdem 1991 der offizielle Rosenmontagszug als Reaktion auf den zweiten Golfkrieg abgesagt worden war.

Geschichte

? ''Zur Kulturgeschichte des Karnevals siehe Karneval, Fastnacht und Fasching.''

Mittelalter

Winteraustreibungen und ausschweifendes Treiben am Vorabend der österlichen Fastenzeit waren im Mittelalter auch in Köln verbreitet. Man aß und trank, tanzte, trieb Verkleidungsspiele und Umzüge zu Fuß oder zu Pferd. Akteure waren auch die Gaffeln, die berufsständisch-politischen Zusammenschlüsse der Zünfte.

Das Karnevalsgeschehen und seine Exzesse waren offenbar schwer zu steuern. Am 5.?März 1341 beschloss der Stadtrat, aus der Stadtkasse kein Geld mehr ?zu vastavende? zu geben. Wiederholt verbot der Rat den ?Mummenschanz?, so 1487 das ?Vermomben, Verstuppen und Vermachen? und im 17.?Jahrhundert mehrfach ?die Mummerey und Heidnische Tobung?.

Neuzeit

Kölner Fastnachtsbräuche in der Frühen Neuzeit schildern anschaulich die Aufzeichnungen des Ratsherren verhert.? (1587). Der Rosenmontag hieß ?Kleinfastabend?. An diesem Tag war man ausgelassen (?verlustert?), närrisch und geckig, verkleidete (vermummte) sich, tanzte und zog trommelnd durch die Straßen:

Der Fastnachtdienstag hieß ?Letstfastabend?. Weinsberg lud Freunde, Nachbarn und Verwandte zu Essen und Trinken zu sich nach Hause ein. Auch dabei verkleideten sich die jungen Leute, indem sie zum Beispiel fremde Berufskleidung trugen:

Der Aschermittwoch war der ?Eschtag?, an dem die Fastenzeit begann, die bis zu ?Parschen? (Ostern) dauerte. Eine Unterbrechung gab es am Sonntag Laetare, dem sogenannten ?Halbfasten? oder ?Rosentag?:

Die französischen Besatzer untersagten in Köln die Fastnacht am 12.?Februar 1795, erlaubten sie jedoch am 7.? war, wurde 1823 mit der Gründung des ?Festordnenden Comites? neu belebt und geordnet, vermehrt um die Komponente der Kritik an der (fremden) Obrigkeit: ein ?kulturpolitischer Streich mit humoristischem Ambiente?.

Das ?Festordnende Komitee? gründete sich 1823, um der bis dahin ungeordneten kölnischen Fastnacht eine neue Richtung und einen neuen Inhalt zu geben. Hauptzweck war bei der Gründung, dass der ?einstens so berühmte kölnische Carneval ... durch einen allgemeinen Maskenzug erneuert und gefeiert? werden solle. Die Organisation dieses Karnevalszuges lag beim ?Kleinen oder lustigen Rat?; alle zahlenden Mitglieder des Komitees bildeten den ?Großen Rat?, der sich in den folgenden Jahren regelmäßig zu ?Generalversammlungen? traf, die ab 1833 ?Komiteesitzungen? genannt wurden. Diese Sitzungen, deren Hauptzweck der Vorbereitung des Karnevalszuges diente, begannen am Neujahrstag bzw. am wurde damals bereits ?Session? genannt. Ab 1825 brachte das ?Festordnende Komitee? die ?Offizielle Karnevalszeitung? heraus, die aber bereits 1839, da ?zu freisinnig?, von den Preußen wieder verboten wurde.

Dem ?Festordnenden Komitee? erwuchs ab Mitte des 19.?Jahrhunderts Konkurrenz durch neue Karnevalsgesellschaften wie das 1842 gegründete ?Hanswurstliche Parlament? und die ?Eisenritter?. 1857 bestanden 31 Karnevalsgesellschaften. Die rivalisierenden Karnevalsgesellschaften, die ?Große Karnevalsgesellschaft? und die 1882 gegründete ?Große Kölner Karnevalsgesellschaft?, verständigten sich 1888 und bildeten gemeinsam das : ''Feiern, Feste, Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr.'' Herder-Verlag, Freiburg-Basel-Wien 2001, ISBN 3-451-27702-6, S. 203.</ref>

1935 widerstand der Kölner Karneval dem Eintritt in die NS-Organisation ?Kraft durch Freude?, was als Narrenrevolte bezeichnet wird. Allerdings bezog sich das nur auf die Organisationsstruktur; ein Teil der Leitung der Kölner Karnevalisten war bereits zuvor in die NSDAP eingetreten. In der Zeit des Nationalsozialismus waren Juden auch im Karneval oft Ziel des Spotts.<ref name="focus-600929"></ref>

Ausfälle

In der und das anschließende Verbot durch die Militärregierung verantwortlich für die Ausfälle.

Grabenkämpfe innerhalb des Festkomitees sorgten 1833, 1844, 1856 und 1857 für Absagen. Die zustande.

Im zweiten Golfkrieg 1991, als andernorts aus Anteilnahme der Rosenmontagszug abgesagt wurde und beispielsweise die Mainzer und Düsseldorfer auf den Zug verzichteten und auch das Festkomitee Kölner Karneval keinen Zug veranstaltete, machten sich einige Kölner unter dem Motto ?Kamelle statt Bomben? spontan auf den Weg. Bei dieser Gelegenheit wurde der Geisterzug wieder eingeführt.

Besonderheiten des Kölner Karnevals

?Bützchen? und ?Alaaf?

Häufig hört man den Ausdruck ?bützen? oder ?gebützt werden?. Diese kleinen, mit geschürzten Lippen verteilten Küsschen (??, ursprünglich ein Trinkspruch.

Die kölsche Karnevalsmusik

Das musikalische Repertoire, das neben Gassenhauern wie ''Der treue Husar'' (Heinrich Frantzen, 1924) und modernen Karnevalshits auch leise Töne umfasst, wird nicht nur in der Karnevalszeit, sondern bei unterschiedlichen Veranstaltungen während des gesamten Jahres gespielt und gesungen. Zu den unverwüstlichen Liedern aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehören vor allem die Krätzchen beispielsweise von Willi Ostermann, August Batzem, Karl Berbuer oder Gerhard Jussenhoven. Im Kölner Rosenmontagszug wird auch Marschmusik gespielt ? oft von Musikkapellen, die sogar aus Nachbarländern kommen.

Die verschiedenen Tage der Karnevalswoche

Auch wenn die Karnevalssession am 11.11. des Vorjahres beginnt, ist die sogenannte Karnevalswoche die Hochzeit des närrischen Treibens im ''kölschen auf den Straßen antrifft und viele Veranstaltungen auf oder an der Straße stattfinden.

Donnerstag (Weiberfastnacht)

An Weiberfastnacht ().

Zuvor, am frühen Morgen gegen 7.30 Uhr, weckt der Bellejeck nach einem Zug vom Dom zur Hofburg mit seinem Gefolge aus Mitgliedern seiner Karnevalsgesellschaft, der ?Grosse Allgemeine KG von 1900, Köln?, und vielen anderen Narren mit lauten Rufen ?Opstonn? (aufstehen) und Geklingel das Kölner Dreigestirn.

Viele Firmen veranstalten an Weiberfastnacht eigene Karnevalssitzungen oder -partys. Behörden, Firmen und Geschäfte bleiben teilweise geschlossen oder schließen früher; viele Vereine, Stammtische, Freundeskreise und Privatpersonen finden sich zu Feiern zusammen. Bereits am frühen Morgen strömen die Menschenmassen in die Altstadt und die Südstadt; dort feiern die Jecken bis spät in die Nacht. Beliebt ist dabei während des gesamten Tages der Brauch, bei dem die ?jecken Wiever? (die verrückten Weiber) den Männern die Krawatte abschneiden. Generell gehört der Donnerstag den Frauen, darum auch der Name Weiberfastnacht.

Traditionell veranstaltet das ?Reiter-Korps Jan von Werth von 1925 e. V.? an Weiberfastnacht sein ?Spell ahn d'r Vringspooz? (Spiel an der ? nach. Anschließend zieht das Reiter-Korps vom Chlodwigplatz in die Kölner Altstadt zum Alter Markt, begleitet von zahlreichen Karnevalsvereinen. Dieser Zug ist der erste Karnevalszug in jeder Session.

Karnevalsfreitag

Neben vielen traditionell am Karnevalsfreitag stattfindenden Sitzungen gibt es seit 1998 mit dem ?Sternmarsch der Kölner Veedelsvereine? eine große Veranstaltung in der Kölner Innenstadt. Die teilnehmenden Gruppen der Kölner Veedelszöch (Teil der Kölner Schull- un Veedelszöch) ziehen dabei von den umliegenden Plätzen auf den Alter Markt; dort wird mit einem bunten Programm und den Auftritten zahlreicher Karnevalskünstler bis spät in den Abend gefeiert.

Karnevalssamstag

Am Karnevalssamstag startet bereits am Vormittag auf dem Kölner Neumarkt das Funkenbiwak der Kölsche Funke rut-wiess vun 1823 e. V. Bei dieser Veranstaltung werden sogenannte ?Funkenstangen? (Kölner Stangen, auf denen der aktuelle Sessionsorden abgebildet ist) verkauft. Diese Gläser können während der Veranstaltung an den Bierständen dann kostenlos mit Kölsch gefüllt werden. Am Nachmittag starten in zahlreichen Stadtteilen sogenannte ?Veedelszöch?, also Karnevalsumzüge der Kölner Stadtviertel. Am Abend finden neben dem seit 1991 stattfindenden Geisterzug, der über wechselnde Routen durch die Stadt zieht, in den großen Sälen überwiegend Kostümbälle statt.

Karnevalssonntag

Neben zahlreichen ?Veedelszöch? in den Kölner Stadtteilen finden am Karnevalssonntag, auch Tulpensonntag genannt, die Kölner Schull- un Veedelszöch statt. Diese nehmen dabei eine geringfügig andere Strecke als der Kölner Rosenmontagszug, da parallel im Gürzenich eine große Karnevalssitzung stattfindet und die Künstler den Saal sonst nicht erreichen könnten. Am Abend gibt es erneut zahlreiche Karnevalssitzungen.

Rosenmontag

Der Höhepunkt des Karnevals ist der Rosenmontag. An diesem Tag haben spätestens ab Mittag viele Geschäfte und Firmen geschlossen. Über eine Million Menschen säumen dann den Weg des Kölner Rosenmontagszugs, der vom Chlodwigplatz nordwärts durch die Kölner Innenstadt zieht. Der Zug löst sich traditionell in der Mohrenstraße auf. Auch in wenigen Stadtvierteln finden kleinere Umzüge statt.

Karnevalsdienstag

Am letzten Tag der Karnevalssession feiern die Jecken noch einmal in ihren Stadtteilen bei weiteren ?Veedelszöch?. Die größten Karnevalszüge finden dabei in den Stadtteilen Köln-Mülheim, -Nippes und -Ehrenfeld statt, wo jeweils bis zu 200.000 bunt Kostümierte den Straßenrand säumen. Gegen Mitternacht wird mit großer ?Feierlichkeit? vor vielen kölschen Kneipen in einer rituellen Zeremonie die Nubbelverbrennung vollzogen. Dabei werden auf eine Strohpuppe, den Nubbel, die zahlreichen ?Sünden? geladen, die während der Karnevalstage begangen wurden, und mit der Puppe verbrannt.

Aschermittwoch

''s.

Wirtschaftsfaktor Karneval

In Köln sorgt der Karneval pro zufolge trug der Kölner Karneval im Jahr 2008 zum Erhalt von rund 5.000 Arbeitsplätzen in der Region bei. Allein die Taxifahrer beförderten laut BCG 540.000 Mal Karnevalisten an die Schauplätze der Feierlichkeiten. Rund 957.000 Kneipenbesucher bescherten den Gastwirten einen Umsatz von fast 48 Millionen Euro.

Literatur

  • Peter Fuchs, Max-Leo Schwering: ''Kölner Karneval. Zur Kulturgeschichte der Fastnacht.'' Greven Verlag, Köln 1972, ISBN 3-7743-0089-5.
  • Wolfgang Herborn: ''Die Geschichte der Kölner Fastnacht von den Anfängen bis 1600.'' Hildesheim/Zürich/New York: Georg Olms, 2009 (Publikationen des Kölnischen Stadtmuseums, Bd. 10). ISBN 978-3-487-14209-8.
  • Carl Dietmar & Marcus Leifeld: ''?Alaaf und Heil Hitler?. Karneval im Dritten Reich.'' Herbig, München 2009, ISBN 3-7766-2630-5 (Schwerpunkt: Rheinland).
  • Johann Baptist Stoll: ''Kölns Carneval, wie er war, ist und sein wird : Weihegabe für die Kölner u. alle Freunde von Volksfesten''. Renard, Köln 1840 ()
  • Heribert A. Hilgers: ''Alaaf, ein Kölner Hochruf'', Greven Verlag, Köln 2014, ISBN 978-3-774-30427-7.

Weblinks

Einzelnachweise